Angst ist bei Katzen ein häufiges, aber oft unterschätztes Problem. Sie kann sich durch Rückzug, Aggression, Unsauberkeit oder übermäßiges Verstecken äußern und das Wohlbefinden der Tiere stark beeinträchtigen. Da Katzen sehr sensibel auf Veränderungen in ihrer Umgebung reagieren, können neue Menschen, Geräusche, Umzüge oder schlechte Erfahrungen Auslöser für anhaltende Unsicherheit sein.

Ich möchte euch heute einen Leitfaden mitgeben, wie ihr die Angst eurer Katze gezielt angeht und ihr so helft, sich in jeder Situation zurechtzufinden.

 

Aber bevor wir loslegen müssen wir erstmal erkennen können, dass die Katze Angst hat:

Wie sieht Angst bei der Katze aus?

  •  das Fell ist struppig, der Schwanz buschig
  • die Augen sind aufgerissen und angespannt, die Pupille sehr weit
  • geduckte Körperhaltung, in sich zusammengekauert, alle Bewegungen spielen sich unten und rückwärts ab
  • riecht nicht aktiv, kann weder spielen noch fressen
  • meist ruhig bevor es zur Reaktion (Unruhe, Flucht, Angriff) kommt

Was können wir im Akutfall spontan tun?

  • Körperkontakt schaffen, mit einer Decke über den Beinen eine Art Höhle schaffen (wenn die Beziehung zum Menschen gut ist)
  • generell Verstecke in der Nähe der Katze schaffen (z.B. Boxen oder unterm Bett), dabei einen möglichst kleinen Eingang lassen, das Versteck möglichst eng machen und Möglichkeiten in allen Höhenlagen anbieten, damit die Katze den perfekten Ort finden kann
  • AUF KEINEN FALL alle Verstecke zumachen
  • Beruhigungssignale geben wie z.B. Schnurren, gähnen oder tiefes atmen - hilft auch, wenn Artgenossen das machen
  • Spezialfall Silvester: Wohnraum möglichst schalldicht machen, Rollos runter und Fenster schließen. Laut den TV, das Radio oder Musik einschalten, was die Katze am meisten gewöhnt ist.

1. Möglichkeit: klassische Konditionierung

Die klassische Konditionierung eignet sich sehr gut bei Ängsten, die man nicht vermeiden kann (z.B. Tierarzt, Silvester), weil alle Emotionen, wie z.B. Ruhe und Entspannung, konditionierbar sind und sich nicht steuern lässt, ob die Katze darauf reagiert oder nicht. Das heißt, wenn gut auf z.B. Ruhe konditioniert wurde hat die Katze gar keine Wahl als sich etwas zu beruhigen. Sie wird natürlich nicht von absoluter Panik in Tiefschlaf gehen, aber mit guter Konditionierung wird sie wieder ansprechbar.

Diese Konditionierungsform hat einige Vorteile:

  •  es ist weitgehend ortsungebunden (funktioniert so gut wie überall)
  • nicht über nachdenken gesteuert
  • schnelle und zuverlässige Ausführung (wenn gut gemacht)

Die Durchführung ist denkbar einfach:

Immer, wenn du entspannt mit einer Katze kuschelst streichelst du sie langsam in langen Zügen und sagst dein Kommando zum Entspannen. Ein sanftes, lang gezogenes eeeeeeasyyy eignet sich zum Beispiel perfekt. Wenn du es extra-sicher haben möchtest konditionierst du nicht nur die Berührung und das Geräusch, sondern du nimmst in diese Situationen noch einen Duft mit. Lavendelbeutel eignen sich hier besonders gut. Von ätherischen Ölen solltest du allerdings Abstand nehmen, da viele dieser Düfte giftig für Katzen sind.

Je mehr Faktoren du in die Konditionierung einbringst (Geräusch, Berührung und Geruch), desto sicherer ist deine Konditionierung.

2. Möglichkeit: operante Konditionierung / Gegenkonditionierung

Eine weitere Methode, um gegen Angst vorzugehen ist die Gegenkonditionierung. Hier lernt die Katze über bewusst gelenkte Handlungen, also Versuch und Irrtum, und kann sich auch aktiv gegen das erwünschte Verhalten entscheiden.

Eine Angst kann nie bekämpft werden, indem man sich ihr nie stellt, deshalb setzen wir die Katze dosiert ihrem Angstauslöser aus. Damit das Training bestmöglich funktioniert, muss die Belohnung besser sein als der Stress, den der Angstauslöser verursacht.

Und so wird's gemacht:

Das wichtigste zuerst: die Katze wird weder eingesperrt noch gezwungen oder zur Angst hingetragen. Wir arbeiten immer innerhalb der Grenzen der Katze was sowohl Tempo als auch Distanz und Lautstärke angeht. Trainingssituationen sollten so gut es geht positiv verlassen werden, was etwas dauern kann da die Stresshormone einige Zeit zum Abbauen brauchen. Hier können Hilfen wie spielen, Kauartikel oder gute Leckerchen sowie Bewegung helfen.

Und jetzt kommt die Vorgehensweise darauf an, wovor deine Katze Angst hat:

Bei Katzen, die sofort in die Luft gehen wenn irgendwas unerwartetes passiert bist du am Besten so ungeschickt wie möglich. Dabei kannst du jedes mal ein paar Leckerchen verteilen, damit die Katze den Lärm mit etwas positivem verbindet. Am Anfang wird sie sich die Leckerchen erst später holen aber wenn du dran bleibst verknüpft sie dein Ungeschick mit den Leckerchen und sammelt sie direkt ein.

Hat deine Katze Angst vor dem Staubsauger startest du an dem Punkt, an dem es noch okay ist. Wenn sie schon Angst vor dem liegenden Sauger hat legst du ihn in ein Zimmer und fängst mit deiner Katze so weit weg an, dass sie noch gut dabei ist. Und dann wird nach und nach in Richtung des Staubsaugers hingearbeitet. Hier kann man auch schön Tricktraining mit einbauen, indem du ein paar Schritte auf den Sauger zugehst und dort einen Trick durchführen lässt. Dann ein, zwei Schritte weg vom Sauger, wieder ein Trick und wieder ein paar mehr Schritte nach vorne. Das machen wir so lange, bis die Gegenwart des Staubsaugers kein Problem mehr darstellt. Das Gleiche wiederholen wir dann nochmal, wenn der Staubsauger an und noch Angst vorhanden ist.

Bei Angst vor Silvesterknallern geht ihr ähnlich vor: ihr arbeitet von leiser nach lauter. Gute Methoden sind Geräusch-CDs, ihr könnt aber auch Konfettipistolen in der Wohnung nutzen oder Ballons knallen lassen. Wenn das in der Wohnung noch zu laut ist und ihr nicht zu weit oben wohnt könnt ihr die Konfettipistolen und Ballons draußen von Freunden platzen lassen oder ihr geht in einen anderen Raum und schließt die Tür. Funktioniert das könnt ihr immer näher an das Geräusch gehen.

Die Tage vor Silvester könnt ihr das Ganze zusätzlich nochmal besonders festigen, indem ihr bei jedem Knall Leckerchen schmeißt. An dem Tag selbst gibt's dann nicht viel zu essen und kurz bevor es losgeht gibt's die besten Sachen zu futtern und ein ausgedehntes Tricktraining mit ganz besonders tollen Leckerchen. Sollte eure Katze schlafen müsst ihr sie natürlich nicht extra aufwecken.

Das exakte Vorgehen richtet sich selbstverständlich danach, wie viel Angst eure Katze vor ihren Auslösern hat. Wenn ihr dran bleibt und wirklich regelmäßig mit eurem Liebling trainiert sollten die Ängste in ein paar Monaten der Vergangenheit angehören. Maximal eine kleine Auffrischung hier und da ist dann noch nötig.

Und jetzt wünsche ich euch viel Spaß und Erfolg beim Trainieren und freue mich auf eure Erfolgsgeschichten.

 

Nehmt euch gerne die Zeit, mir ein Feedback dazulassen 😉